610 Jahre Universität Leipzig - auf dem Festakt

Die Geschichte Leipzigs ist untrennbar mit ihrer Universität verbunden. Mit ihrer Gründung im Jahre 1409 entstand die Lehranstalt noch vor der Verleihung des Messeprivilegs an die erstmals im Jahre 1015 urkundlich erwähnte Handelsstadt. Die Alma Mater Lipsiensis (AML) ist zudem nach der Universität Heidelberg die zweitälteste Universität, die im heutigen Deutschland ohne Unterbrechung betrieben wird. Grund genug also, den 610. Jahrestag ihrer Gründung würdig zu begehen.

Universität Leipzig gedenkt ihrer Gründung mit alljährlichem Dies academicus

Die Universität Leipzig erinnerte am 2. Dezember 2019 mit dem Dies academicus an dieses Ereignis. Der „akademische Tag“ – so die deutsche Übersetzung – findet alljährlich statt und ging in diesem Jahr mit Diskussionsrunden, Führungen, Veranstaltungen, Preisverleihungen und einem abendlichen Festakt einher.

Auf letzterem waren der Dekan Professor der Universität Ohio und der Dekan Professor der Universität Graz zu Gast. Das Publikum wurde auf der Veranstaltung in eine geschichtliche Zeitreise entführt, indem man an wichtige Ereignisse in der Universitätsgeschichte erinnerte.

So gehörten die damaligen Angehörigen der Universität ihrer Herkunft nach zu vier Nationen: Der meißnischen, der sächsischen, der bayerischen und der polnischen. Der Jahresetat der Bildungsstätte betrug anfangs 500 Gulden und wurde von den Landesherrren, Friedrich dem Streitbaren und Wilhelm dem Reichen, bewilligt.

1415 folgten die medizinische und 1446 die juristische Fakultät der Uni. Eine Erweiterung fand 1543, durch die Übernahme des ehemaligen Dominikanerklosters mit der Klosterkirche St. Pauli, statt. Theologieprofessor und Augustinermönch Martin Luther weihte die Kirche zwei Jahre später als Universitätskirche. Bis in das 19. Jahrhundert hinein war die Universität Grundherr über mehrere sogenannte Universitätsdörfer. Diese dienten zur Sicherung der materiellen Basis der Leipziger Universität. Hierfür wurden der Bildungsstätte vom Landesherrn die Grundherrschaft über einige Dörfer in der Nähe von Leipzig übertragen. Anfangs waren das Merkwitz, Hohenheida und Gottscheina.

Gebäudekomplex der Uni wurde nach und nach erweitert

Durch Schenkungen und im Zusammenhang mit einer privaten Stiftung konnte der Gebäudekomplex der Universität nach und nach erweitert werden. Schenkten etwa die Landesfürsten schon 1409 zwei Häuser an die Universität, kamen ab 1416 weitere Gebäude hinzu, unter anderem das Pauliner Kolleg. Teile der Unibauten fielen später dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Die Universitätskirche indes – auch Paulinerkirche genannt – wurde im Jahre1968 auf Betreiben der Universität und nach einem Beschluss der SED-geführten Stadtverwaltung gesprengt. Heute steht an dieser Stelle das Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli. In dem universitätseigenen Gebäude befinden sich wissenschaftliche Institute und die Universitätskirche.

Auf der gestrigen Abendveranstaltung, die in diesen Räumlichkeiten stattfand, wurden weiterhin zwei Seniorprofessoren ernannt und Studenten der Veterinär-Fakultät ausgezeichnet. Zudem wurde den Gästen ein Imagefilm über die heutige Universität gezeigt.

Als Hommage an die einstige Orgel in der Universitätskirche St. Pauli erklang zum Abschluss ein Stück von Deep Purple auf der Orgel. Der Chor der Universität rundete diese exzellente Einlage mit dem Stück „Herbei nun ihr Gläubigen“ – gesungen auf deutsch, englisch und latein – ab und versetzte somit das Publikum am Ende der Veranstaltung in vorweihnachtliche Stimmung.

Ihr

CHristoph Neumann