Christoph Neumann Tourismusgipfel

Zum 22. Touristikgipfel in Berlin hatte sich am 4. November 2019 das Who is Who der Reisebranche eingefunden, um miteinander zu diskutieren, Ausblicke zu geben und Neuigkeiten vorzustellen.

Das dominierende Thema war der Klimaschutz und dessen Auswirkungen auf die Reisebranche. Während Professor Hans Joachim Schellnhuber, der das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung viele Jahre lang leitete, den Tourismus im Kampf gegen die Erderwärmung am Scheideweg sieht und sehr radikale Forderungen äußerte („Statt Fliegen nur noch Bahn fahren“), äußerte sich Michael Frenzel, der Präsident des Tourismusverbandes, dahingehend zurückhaltender. Frenzel, der unter anderem im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG saß, plädierte für die Entwicklung von CO2-sparenden und CO2-neutralen Produkten. Statt auf Verbote will der gestandene Touristiker auf solche Maßnahmen setzen. In seiner Rede verwies er überdies auf die vielen Arbeitsplätze, die weltweit am Tourismus hängen. Würde man diesen einschränken, fielen solche Arbeitsplätze im großen Stil weg.

Bekenntnis zum Reisen für alle auf dem Tourismisgipfel

Ähnlich äußerte sich auch Thomas Bareiß. Der CDU-Politiker ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus und gab ohne Umschweife zu, dass das Wort „Flugscham“ für ihn eines der schlimmsten Wörter in der Klima-Debatte ist. Er sprach sich für das Reisen für jeden Geldbeutel aus und verwies auf die einstigen DDR-Bürger, die auch für die Freiheit des Reisens auf die Straße gegangen sind.

Adäquate Player aus der Tourismusbranche kamen beim Touristikgipfel im Rahmen einer Podiumsdiskussion zusammen. Vertreter von so namhaften Firmen wie AIDA Cruises oder Airbus begaben sich hier – moderiert von rbb-Mann Sascha Hingst – in einen Dialog mit Professor Schellnhuber. Die Touristiker der bekannten Unternehmen zeigten die jeweiligen Maßnahmen für den Klimaschutz in ihren Firmen auf und sprachen über Zukunftspläne in Zeiten des Klimawandels. Erwartungsgemäß gingen Professor Schellnhuber diese Maßnahmen nicht weit genug. Allerdings sind die Thesen des streitbaren Wissenschaftlers durchaus diskussionswürdig, seine Katastrophenszenarien werden längst nicht von allen Wissenschaftlern auf diesem Gebiet geteilt.

Interessant gestaltete sich auf dem Gipfel die Frage, wie wohl das Reisen zukünftig ausschauen wird? Vordergründig ging es um die Pauschalreise. Moderiert von Timo Kotowski von der FAZ gaben Reiseexperten Ausblicke auf das Erkunden ferner Länder in einigen Jahren. Die anwesenden Podiumsgäste waren sich einig, dass die Pauschalreise, wie sie jetzt angeboten wird, zukünftig wohl kaum einen Reiselustigen zum Flughafen locken wird. Vielmehr wird sich der Reisekauf der Zukunft durch eine Auswahl von Optionen, die konkret auf den Interessenten zugeschnitten sind, gestalten. Auch werden Buchungen im Netz einfacher zu händeln sein, als jetzt. Wie aus der Runde zu erfahren war, fühlen sich gegenwärtig viele Menschen mit den oftmals undurchsichtigen Reiseangeboten im Internet überfordert.

Insolvenz von Thomas Cook hat Branche erschüttert

Wie ein roter Faden zog sich außerdem die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook durch die Veranstaltung. In Diskussionen, in denen die Insolvenz, die auch für viele Brancheninsider überraschend kam, Eingang fand, wurde man nicht müde zu betonen, dass sich Nachteile, wie sie tausende deutsche Kunden des Reiseriesen erst kürzlich hatten, nicht wiederholen dürfen. Reisende, wie auch Personen, die gebucht, aber ihre Reise noch nicht angetreten haben, müssen zukünftig die garantierte Sicherheit haben, dass ihr Geld bzw. ihr Rücktransport im Falle einer solchen Situation gesichert ist – so der Tenor aller Beteiligten.

Wie sich unsere Partei dazu positioniert hat, ist hier nachzulesen.

Alles in allem zeigte der diesjährige Tourismusgipfel, dem auch viele Gäste aus der Politik beiwohnten, dass es eine Vielzahl an Herausforderungen zu stemmen gilt. Dass diese mit Augenmaß statt mit Populismus und Hysterie angegangen werden müssen – darin waren sich Gastgeber und Gäste einig.

Ihr

CHristoph Neumann