Die Marienkirche in Mühlhausen

„Die Gäste kommen ohne Ende“ – so die Aussage eines Gastwirts, die ich vor Ort im thüringischen Mühlhausen hörte. Besagter Wirt erzählte mir zudem, dass er seit Mai 2020 keinen einzigen freien Tag hatte und die Gästezimmer allesamt ausgebucht sind.

Wie ich schon auf meinen anderen Touren in Mitteldeutschland feststellte, hat die Corona-Krise das Augenmerk vieler Deutscher auf die Sehenswürdigkeiten und Kulturgüter „von nebenan“ richten lassen. Geschlossene Grenzen und auch innerdeutsche Reiseeinschränkungen veranlassten viele Bürger dazu, in ihrer Freizeit die nähere Region zu erkunden. Das bestätigte mir auch der eingangs genannte Restaurantbetreiber, der anhand der Auto-Kennzeichen seiner Gäste konstatieren kann, dass viele Leute aus dem näheren Umfeld kommen.

Mühlhausen: Vor allem für geschichtlich Interessierte ein interessantes Ziel!

In Mühlhausen bekommen diese auch einiges geboten! Vor allem Mittelalter- und Geschichtsfans kommen hier auf ihre Kosten. So laden beispielsweise ganze elf Kirchen dazu ein, die imposante Architektur vergangener Zeiten zu bestaunen. Am bekanntesten dürfte in Mühlhausen die Marienkirche in der Oberstadt sein, sie ist nach dem Erfurter Dom die größte Kirche Thüringens. Hier predigte bereits Thomas Müntzer und prägte die Stadt historisch. Aber auch der Name Johann Sebastian Bach ist mit der Stadt eng verbunden. Der Komponist und Kirchenmusiker, den viele vor allem mit der Pleißestadt Leipzig in Zusammenhang bringen, war in der zweiten Hauptkirche von Mühlhausen, der Pfarrkirche Divi Blasili, als Organist tätig. Neben den berühmten Namen, auf deren Spuren sich wandeln lohnt, lädt auch die teilweise begehbare Stadtmauer dazu ein, deutsche Geschichte hautnah zu erleben.

Gastronomie profitiert wieder von Touristen

Vom Rabenturm aus bietet sich zudem ein fantastischer Blick über die historische Altstadt. Dass man nach so einer Route gern in eines der gemütlichen Cafés einkehrt oder sich in einer Kneipe oder Restaurant eine typisch Thüringische Spezialität schmecken lässt, konnte ich vor Ort mehrfach feststellen und somit ist klar, dass sich auch weitere Mühlhausener Gastwirte über die nach dem Corona-Lockdown so dringend erwarteten Umsätze freuen können.

Niederdorla

Deutschlands Mitte in Niederdorla

Starkes Touristen-Interesse konnte ich ebenso in Niederdorla feststellen, der geographischen Mitte Deutschlands, die hier von einem imposanten Stein und einer Linde markiert wird. Alljährlich wird hier ein Mittelpunktfest veranstaltet, das bei Einheimischen und Gäste gleichermaßen beliebt ist. Nicht weit entfernt liegt außerdem das Opfermoor. Hier handelt es sich um vorchristlichen Kultstätten, beginnend im 6. Jh. v.u.Z.. Das Opfermoor ist einer der besterhaltenen Fundkomplexe dieser Art in Mitteleuropa.

Niederdorla: Deutschlands Mittelpunkt und das Opfermoor

Unter der Leitung von Professor Behm-Blancke wurde in den Jahren 1957 bis 1967 und von 1964 bis 1976 in zwei archäologischen Grabungskampagnen eine mehrperiodische Siedlung ausgegraben.

Man geht anhand der Funde die man ausgrub davon aus, dass die Region einst intensiv besiedelt war. Heute laden eine originalgetreu rekonstruierte germanische Siedlung und ein Ausstellungspavillon mit Funden der Ausgrabungen dazu ein, sich mit der Geschichte dieses Ortes auseinanderzusetzen.

Etliche Besucher – darunter eine Menge Familien – nutzen das.

Viele Sehenswürdigkeiten in Gotha

In Gotha – meiner nächsten Station – konnte ich ebenso einen großen Besucherandrang feststellen. Die einstige Residenzstadt wartet nicht nur mit dem imposanten Schloss Friedenstein auf – eines der am besten erhaltenen Baudenkmäler des Frühbarock, das unbedingt einen Besuch wert ist!

Auch die Augustinerkirche und das Augustinerkloster, der Buttermarkt, das imposante Rathaus und die Forschungsbibliothek sind weitere Sehenswürdigkeiten von zahlreichen mehr, die gesehen haben sollte, wer Gotha besucht.

Ebenso wie in Mühlhausen erwartet die Gäste der Stadt ein historisches Zentrum, in dem attraktive Geschäfte und eine vielseitige Gastronomielandschaft zum Verweilen einladen.

Letztere erlebt in diesen Tagen – ebenso wie in Mühlhausen – einen großen Besucherandrang. Davon konnte ich mich überzeugen, als ich Gotha nach meiner Stippvisite in Mühlhausen besuchte.

Opfermoor

Das Opfermoor bei Niederdorla: Ein beliebtes Ausflugsziel für Familien

Mich freut dieser touristische Zuspruch in Thüringen sehr! Kommt dieser doch den einheimischen Hoteliers und Gastronomen zugute und hilft damit jenen Unternehmen, die während des Lockdowns unter beträchtlichen Einnahmeverlusten gelitten haben.

Bekanntlich stehen auch in diesen Tagen wieder viele Feierlichkeiten in der Weihnachtszeit vor der Absage, was ein erneuter schwerer Schlag für Wirte und Hoteliers wäre.

Es bleibt deshalb einmal mehr zu hoffen, das die politisch Verantwortlichen sich mehr von Vernunft, statt hektischem Aktivismus leiten lassen!

Ihr

CHristoph Neumann