Im Tourismusministerium
Im weißrussischen Tourismisministerium, im Rahmen der Dienstreise nach Weißrussland

Am heutigen Vormittag hatte ich im Weißrussischen Ministerium für Sport und Tourismus ein überaus freundliches und zielorientiertes Gespräch. Es begleitete mich der Peter Herr, Attaché für Wirtschaft und Politik der Deutschen Botschaft in Weißrussland. Meine Gesprächspartner waren Botschafter Andrei Molchan, der Direktor der Abteilung Tourismus im Ministerium sowie Valery Parashchanka, der Direktor der Nationalen Tourismus Agentur von Weißrussland.

Tourismus in Weißrussland wird erst seit rund vier Jahren größere Bedeutung beigemessen

Wie ich vernahm, wird dem Tourismus in Weißrussland erst seit rund vier Jahren eine größere Bedeutung zugemessen. Aus diesem Grund ist die Abteilung Tourismus im Ministerium zusätzlich dem Ministerrat unterstellt. Diese Verbindung schafft Synergieeffekte. Gegenwärtig wird die Tourismusstrategie und auch die Gesetzgebung hinsichtlich des Reiseverkehrs überarbeitet. Vor einigen Jahren hat der Staat den Markt völlig liberalisiert. Die Folge war, dass die Reiseagenturen zwar schnell wuchsen, aber die Qualität der Reisen sowie die Absicherung der Urlauber bei den Pauschalreisen rechtlich nicht gesichert war. Wir kennen diese Problematik auch in Deutschland bzw. in der EU, als vor kurzem völlig überraschend der große britische Reiseveranstalter “Thomas Cook“ pleite war.

Jetzt müssen sich alle Reiseanbieter (inländische und ausländische), die in Weißrussland Reisen oder Veranstaltungen anbieten, in ein staatliches Register eintragen. Neben formelle Kenndaten müssen auch substanzielle Wirtschaftsdaten hinterlegt werden. Dies sieht die Regierung als eine Qualitätsoffensive, denn die Unternehmen sollen verpflichtet sein, ihre Wirtschaftlichkeit mit Bankgarantien oder Firmenversicherungen nachzuweisen; zum Schutz der Verbraucher. Große Rückholaktionen von gestrandeten Urlaubern kann sich der Staat auf Dauer nicht leisten.

Kommission vergibt Hotelsterne

Eine weitere Maßnahme im Interesse der Touristen ist die Überprüfung der Vergabe von Sternen in der Hotelbranche. Bis jetzt konnten die Hotelbetreiber diese nach eigenem Ermessen festlegen. Hier gab es besonders bei ausländischen Urlaubern größere Beschwerden über die Standards der Ausstattung in den Hotels; die im Endergebnis dem Image von Weißrussland schadeten. Deshalb werden jetzt nach der Überprüfung der Hotels die Sterne durch eine Kommission vergeben.

Seit August 2019 können sich ausländische Touristen bis zu 30 Tage im Land ohne Visum aufhalten, wenn sie über den Flughafen Minsk einreisen. Eine Weiterreise – zum Beispiel nach Russland – ist aber nicht möglich. Von dieser Regelung profitieren neben Minsk die Regionen um die Stadt Grodno an der Memel (deutsch Garten) im Westen und die Stadt Brest am Bug im Südwesten des Landes. In diesen mitteleuropäisch geprägten sowie historisch interessanten Bezirksstädten sind die Besucherzahlen in den letzten Jahren um 25 bis 30 Prozent gestiegen. Zwischen Grodno und Brest befindet sich der letzte Urwald Europas, die Bialowiezer Heide (1.500 qkm). Dieser Wald ist seit 1991 Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe. Ein weiterer Besuchermagnet ist das Schloss Neswisch, rund 100 km südwestlich von Minsk gelegen. Der Stammsitz (1533-1939) des polnischen Hochadelsgeschlechtes von Radziwill ist seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe.

Weißrussland etabliert sich als hochinteressantes Reiseland

Nach diesem Gespräch im Ministerium und meinem eigenem Erleben kann ich einschätzen, dass Weißrussland schon jetzt und auch in naher Zukunft ein hochinteressantes Reiseland ist. Besonders Menschen, die eine unberührte Natur, die Jagd und das Angeln, sowie den Gesundheitstourismus mögen, werden dieses Land lieben lernen. Ich persönlich war in den Jahren 1986, 1999, 2010 und jetzt in Weißrussland unterwegs. Mich beeindrucken, neben dem Land im Allgemeinen, besonders die Sauberkeit, die Sicherheit am Tag und in der Nacht und die Freundlichkeit der Menschen.

Ihr

CHristoph Neumann