Sonntag, 31. März Kiew – Ukraine

Am heutigen Sonntag fand in der Ukraine die weltweit viel beachtete Präsidentschaftswahl statt. In der ersten Runde konnte keiner der angetretenen 39 Kandidaten die erforderliche Mehrheit der Stimmen hinter sich vereinen, so dass es zu einer Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Präsident Poroschenko und seinem Herausforderer Selenski kommt. Diese wird am 21. April stattfinden. Insgesamt kann ich ein positives Fazit dieser Wahl ziehen. Vorbereitung und Ablauf waren sehr professionell und entsprachen unseren Vorstellungen einer geheimen und demokratischen Wahl. Mein Wahlbeobachterteam hatte die Aufgabe in insgesamt 15 Wahllokalen in Kiew den Wahlablauf zu kontrollieren und zu protokollieren. Überall wurden wir zuvorkommend empfangen und unser Besuch war von den Verantwortlichen und auch von den Wählern sehr gewünscht. Fast alle Wahllokale befanden sich in Kiewer Schulen. Was mir, unabhängig von der Wahl, sofort auffiel, war die absolute Sauberkeit der Schulen. Bei aller Einfachheit war hier von Graffitis oder allgemeinen Schmierereien nichts zu sehen. Viele Menschen in Mitteldeutschland dürften sich an ihre eigene Vergangenheit erinnert fühlen, als Schulen noch ein Hort des Lernens waren und nicht als Projektionsfläche zur künstlerischen Selbstverwirklichung dienten. Leider ist dies ja nicht mehr überall in Deutschland der Fall. Die Ukrainer, welche an der Wahl teilnahmen, taten dies meiner Wahrnehmung nach vor allem in der Überzeugung, an der Zukunft ihres Landes teilzunehmen und eine wirkliche Alternative wählen zu können. Auch dies ist in Deutschland erst seit einigen Jahren wieder der Fall. In Kiew ging es vielen nicht um Moskau, Brüssel oder Washington, sondern in erster Linie um die Zukunft ihres eigenen Landes!